Durch die Schaffung des Berufsbildes “Rettungsassistent” durch das Rettungsassistentengesetz (RettAssG) besteht die Notwendigkeit, die Tätigkeit der Rettungssanitäter neu zu definieren. Die vorliegenden Ländergesetze sehen vor, dass der Rettungssanitäter im Bereich der Notfallrettung als Fahrer eingesetzt werden darf. Transporte von Nichtnotfallpatienten kann er auch als verantwortlicher Transportführer leiten. Da jeder Nichtnotfallpatient während des Transportes zum Notfallpatienten werden kann und der Krankentransportwagen als “nächstes Fahrzeug” zunächst zur Notfallstelle geschickt werden kann, muss der Rettungssanitäter die unerlässlichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen – auch selbständig – durchführen können. Dann muss der Rettungssanitäter in der Notfallrettung als Assistent des Notarztes und des als Transportführer eingesetzten Rettungsassistenten bei allen notwendigen Maßnahmen assistieren können, bzw. einzelne Maßnahmen selbständig durchführen können.

Der Rettungssanitäter soll befähigt werden die Arbeit des Arztes und des Rettungsassistenten an der Notfallstelle zu unterstützen, sowie die unerlässlichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen – wenn kein Arzt oder Rettungsassistent anwesend ist – auch selbständig durchzuführen.

Die Ausbildung zum Rettungssanitäter bietet sich für Interessierte an, welche die Arbeit im Rettungsdienst als qualifiziertes Hobby betreiben möchten. Rechtsgrundlage für die Ausbildung zum Rettungssanitäter sind die “Grundsätze zur Ausbildung des Personals im Rettungsdienst (520-Stunden-Programm)”, die der Bund/Länderausschuss Rettungswesen am 20.9.1977 beschlossen hat. Sie können bei uns die Ausbildung neben Ihrer beruflichen Tätigkeit besuchen und mit der Prüfung abschließen.

Ausbildungsinhalte

Anatomie und Physiologie

  • Lage, Bau und regelrechte Funktion von Skelett und Skelettmuskulatur
  • Brust- und Bauchorganen, Harn- und Geschlechtsorganen, Atmungsorganen einschließlich kindlicher Kehlkopf
  • Atemregulation, Herz einschließlich Steuerung der Herzarbeit, Blutkreislauf und Gefäße, Blut einschl. Blutgruppen AB0-System und Rhesusfaktoren
  • Haut, Nervensystem und Sinnesorgane, sowie die Bedeutung des Flüssigkeits-, Wärme-, Säure- und Basenhaushaltes

Störung der Vitalfunktionen

  • Ursachen für Störungen der Bewusstseinslage
  • Erkennungsmerkmale auf Störungen der Bewusstseinslage
  • Ursachen für zentrale, periphere und mechanische Störungen der Atmung
  • Erkennungsmerkmale auf Störungen der Atmung (zentrale, periphere und mechanische) Ursachen
  • Störungen von Herz und Kreislauf
  • Erkennungsmerkmale von Störungen von Herz und Kreislauf: Schock verschiedener Ursachen, Herzinfarkt, Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Lungenödem, Rhythmusstörungen, Herz-Kreislauf-Stillstand schließen

Chirurgische Erkrankungen

  • verschiedene Wundarten
  • Außen- und Innenblutungen
  • arterieller Gefäßverschluss / venöser Gefäßverschluss der Gliedmaßen schließen
  • Harnverhaltung
  • Verletzungen des Bauches und der Bauchorgane
  • Fraktur, Luxation oder Distorsion
  • Schädel-/Hirnverletzungen und -erkrankungen z. B. Apoplexie sowie Verletzungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks
  • Akutes Abdomen
  • Situationsbeschreibungen von Mehrfachverletzungen

Innere Medizin – Pädiatrie
Im Notfalleinsatz infrage kommenden Arzneimittel, Infusionslösungen, Indikation, Wirkung, wesentliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen angeben und Arzneimittel für jedes namentlich vermittelte Medikament verabreichen.

  • Ursachen für allergische Reaktionen, Erkennungsmerkmale allergischer Reaktionen
  • Erkennungsmerkmale von Hitzeerschöpfung, Hitzschlag, Sonnenstich, Verbrennungen / Verbrühungen, Schädigungen durch Strom und Blitz und Unterkühlung
  • Erkennungsmerkmale für eine Infektionskrankheit und entsprechende Maßnahmen dazu, Erkennungsmerkmale auf eine Vergiftung einschließlich Selbstschutz
  • Erkennungsmerkmale von Krämpfe bei Säuglingen und Kleinkindern und entsprechende Maßnahmen durchführen
  • Erkennungsmerkmale auf Exsikkose schließen

Erkrankung der Augen

  • Erkennungsmerkmale auf akute Erkrankungen oder Verletzungen des Auges schließen und entsprechende Maßnahmen durchführen.

Geburtshilfe

  • Ablauf einer regelrechten Geburt
  • Erkennungsmerkmale auf eine plötzlich eintretende Geburt und entsprechende Maßnahmen
  • Schwangerschaftskomplikationen und entsprechende Maßnahmen
  • Erkennungsmerkmale von Geburtskomplikationen und entsprechende Maßnahmen
  • Maßnahmen zum Transport von Früh-/Neugeborenen

Psychiatrie

  • Erkennungsmerkmale von Rauschzuständen, Krampfanfällen, Nerven- und Gemütskrankheiten und entsprechende Maßnahmen, auch des Selbstschutzes.

Einführung in die Klinikausbildung

  • Ihre Tätigkeit des Rettungssanitäters während der Klinikausbildung unter besonderer Berücksichtigung des Verhaltens im Klinikbereich, speziell im OP- und Intensivbereich einschließlich der persönlichen Hygiene.

Rettungsdienst – Organisationen – Technische und rechtliche Fragen

  • Für den Rettungsdienst benutzbaren Meldewege aufzählen, eine Meldung entsprechend Lage/Situation formulieren und die Meldemittel benutzen.
  • Für den Rettungsdienst zutreffende Gesetze, Verordnungen, Vorschriften, Bestimmungen und Versicherungen
  • Personen/Institutionen die eine Rettungsdienstzusammenarbeit, Rettungs- und Notarztsysteme, Zusammenarbeit mit dritten, Fallbeispielen (Inhalt einer Meldung auf einen Notfalleinsatz, chronologischer Ablauf eines Notfalleinsatzes)
  • besondere Gefahrenstellen in einem Rettungsdienstbereich, Erkennungsmerkmale von Gefährdung, Selbstschutz bei Gefährdung, Maßnahmen zur Rettung

Praktische Ausbildung
Diese Ausbildung erfordert Praktika im Krankenhaus und in der Lehrrettungswache. Das Krankenhaus muss ein Haus der Basis- / Regelversorgung sein und vom örtlichen Rettungsdienst berücksichtigt werden (also keine Fachklinik). Die Lehrrettungswache muss mindestens einen Rettungswagen 24 Stunden vorhalten und dem Notarztdienst angeschlossen sein. Sie schließen mit einem Krankenhaus und einer Lehrrettungswache in Ihrer Nähe einen entsprechenden Praktikantenvertrag ab.

Staatliche Prüfung

Die staatliche Abschlussprüfung zum Rettungssanitäter besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil (aus “Grundsätze für eine Prüfungsordnung für das Personal im Rettungsdienst (Rettungssanitäter) des Bund / Länderausschusses Rettungswesen vom 21.5.1985): Der schriftliche Teil erstreckt sich auf die im Lehrplan enthaltenen Stoffgebiete. In einer 120minütigen Aufsichtsarbeit wird Ihr Wissen überprüft. Im mündlichen Teil der Prüfung haben Sie Fragen aus den Stoffgebieten des Lehrplans zu beantworten. Die Prüfung soll für den einzelnen Prüfling mindestens 20 Minuten dauern. Die Überprüfung der praktischen Fertigkeiten dauert 20 Minuten.